Die Sharpe Ratio misst, wie viel Rendite eine Strategie für jede Einheit Risiko erzielt hat, die sie eingegangen ist. Risiko heißt hier Volatilität — wie stark die Renditen hin und her gesprungen sind. Eine hohe Sharpe Ratio bedeutet ruhige, effiziente Gewinne. Eine niedrige bedeutet, dass du für den erzielten Gewinn viel Turbulenz ertragen hast.
Die Idee in einfachen Worten
Der Gewinn allein sagt dir nicht, wie schwer eine Strategie auszuhalten war. Eine Kurve, die sich stetig nach oben mahlt, und eine, die sich in heftigen Sprüngen zum selben Endpunkt schleudert, fühlen sich beim Handeln völlig unterschiedlich an. Die Sharpe Ratio fängt diesen Unterschied ein, indem sie die Rendite durch die Volatilität teilt — ein ruhigerer Verlauf schneidet also selbst bei gleicher Gesamtrendite besser ab.
Die Formel
Sharpe Ratio = (durchschnittliche Rendite − risikofreier Zins) / Standardabweichung der Renditen
- Durchschnittliche Rendite — die mittlere Rendite über den Zeitraum, je Trade oder je Zeitintervall.
- Risikofreier Zins — was du ohne Risiko verdienen könntest. Viele Privattrader setzen ihn der Einfachheit halber auf null.
- Standardabweichung — wie weit die Renditen streuen. Das ist der Term für „Risiko“ oder Rauheit.
Je größer der Zähler (Rendite) und je kleiner der Nenner (Volatilität), desto höher die Sharpe Ratio.
Beide Strategien beenden das Jahr mit demselben Kontostand. Die ruhigere ist weit einfacher zu handeln und wird weit eher korrekt gehandelt.
Was als gute Sharpe Ratio gilt
- Unter 1 — schwach. Die Volatilität ist hoch für die erzielte Rendite.
- Um 1 — für viele Strategien akzeptabel.
- 2 — sehr gut; ruhige, effiziente Renditen.
- 3 oder mehr — ausgezeichnet, aber bei kleinen Stichproben mit Misstrauen zu behandeln.
Diese Bänder verschieben sich je nachdem, wie die Kennzahl berechnet wurde. Am sichersten nutzt du sie deshalb vergleichend: Stell deine eigenen Strategien mit derselben Methode gegeneinander.
Warum Trader sich dafür interessieren
Eine Strategie mit hoher Sharpe Ratio ist leichter durchzuhalten. Sanfte Drawdowns halten dich ruhig, also führst du den Plan weiter aus. Eine Strategie mit niedriger Sharpe Ratio und wilden Ausschlägen bricht meist den Trader, bevor sie den Break-even erreicht — du steigst in einem tiefen Einbruch aus und verpasst die Erholung. Aus demselben Grund zählt der Drawdown so viel: Die Fahrt entscheidet darüber, ob du den Edge überhaupt einsammeln kannst.
Wichtig: Die Sharpe Ratio behandelt auch große Gewinnsprünge als „Risiko“, denn sie sieht nur Volatilität, nicht die Richtung. Eine Strategie mit gelegentlichen riesigen Gewinnern kann dadurch unfair bestraft werden. Deshalb beurteilst du eine Strategie nie allein nach Sharpe.
Die Grenzen, die du beachten musst
- Sie bestraft Schwankungen nach oben: Große Gewinner erhöhen die Standardabweichung und senken die Kennzahl.
- Sie unterstellt halbwegs normalverteilte Renditen: Handelsrenditen haben oft fette Ränder, die sie schlecht abbildet.
- Sie ist empfindlich gegenüber der Stichprobe: Ein kurzer Backtest kann einen schmeichelhaften Wert erzeugen, der sich nicht wiederholt.
Lies die Sharpe Ratio neben Profitfaktor und Erwartungswert. Zusammen beschreiben sie Effizienz, Ruhe und Edge je Trade — ein weit vollständigeres Bild als jede einzelne Kennzahl.
Sie an den eigenen Strategien sehen
Du musst keine Standardabweichungen von Hand rechnen. Wenn du in einem Simulator backtestest, berechnet der Sitzungsbericht risikoadjustierte Kennzahlen aus deiner Trade-Historie — du kannst also eine ruhige Strategie direkt gegen eine zerrissene stellen und die Variante wählen, die du auch durch einen schlechten Monat hältst.
FAQ zur Sharpe Ratio
Was ist eine gute Sharpe Ratio für eine Handelsstrategie?
Grob: unter 1 ist schwach, um 1 ist akzeptabel, 2 ist sehr gut, ab 3 ist ausgezeichnet. Weil die Zahl davon abhängt, wie sie berechnet wurde, nutzt du sie besser zum Vergleich deiner eigenen Strategien als absolute Note.
Was misst die Sharpe Ratio eigentlich?
Rendite je Einheit Volatilität — wie viel Ertrag eine Strategie für die Rauheit ihrer Kapitalkurve erzeugt hat. Derselbe Gewinn bei ruhigerem Verlauf bedeutet eine höhere Sharpe Ratio.
Wo liegen die Grenzen der Sharpe Ratio?
Sie behandelt Schwankungen nach oben und nach unten gleich und unterstellt annähernd normalverteilte Renditen, was beim Trading oft nicht zutrifft. Lies sie neben Drawdown und Profitfaktor.